2026 – Was für ein Auftakt

Der erste Monat des noch jungen Jahres hat Schlagzeilen in einem Umfang geliefert, die sonst für ein ganzes Jahr reichen: Die Entführung des venezolanischen Machthabers durch die USA, der Wunsch des US-Präsidenten, Grönland zu US-Territorium zu machen, Eskalation im Iran und ein Ermittlungsverfahren der US-Staatsanwaltschaft gegen Fed-Chef Jerome Powell. All das garniert mit historisch rasanten Preisanstiegen bei Gold und Silber, die jedoch just zum Monatsultimo ebenfalls historisch rasante Preiseinbrüche erlitten. Schwierige Zeiten, um einen kühlen Kopf zu bewahren, aber umso wichtiger. Was also tun?
Zunächst einmal muss man festhalten, dass Donald Trump nach wie vor auf die Kapitalmärkte hört. Nachdem die Aktienkurse empfindlich auf die unklaren Ansprüche gegenüber Grönland reagiert haben und überdies viele Manager in Davos deutlich gemacht hatten, dass Europa für sie ein durchaus attraktiver Absatzmarkt ist, den sie über einem Zerwürfnis mit Europa verlieren könnten, hat der US-Präsident eingelenkt: keine Gebietsansprüche, keine „Strafzölle“ oder ähnliches. Auch die Nominierung des künftigen Fed-Präsidenten fiel auf einen „normalen“ Kandidaten, der durchaus auch mit der Unterstützung einiger Demokraten rechnen darf. Eine allzu unorthodoxe Wahl hätte die US-Renditen und damit die Zinslast des ohnehin fragilen US-Haushalts belastet.
Wenn man überdies einen Schritt zurücktritt, stellt man fest, dass die Wirtschaft mit all dem gut zurechtkommt. Wenn einem die vorangegangenen Krisen etwas gelehrt haben, dann dass die Menschen, und damit letztlich auch die Unternehmen und Volkswirtschaften, sehr anpassungsfähig sind. Sie stellen sich auf neue Umstände eben ein. So haben die US-Zölle zwar die Inflation ein wenig angetrieben, aber im Großen und Ganzen kommen die Firmen mit der neuen Steuer gut zurecht. Die Wirtschaft in den USA wuchs im dritten und vierten Quartal sehr ordentlich und die Einkaufsmanagerindizes zeigen weiteres Wachstum an. Der Welthandel legte im vergangenen Jahr real um rund 4,5 Prozent zu. Europa erlebt einen Aufschwung, der vor allem durch die Investitionen in die eigene Verteidigungsfähigkeit geprägt ist, aber auch von zunehmend robustem Konsum getragen wird.
Vor diesem Hintergrund ist man mit einem breit diversifizierten Portfolio immer noch sehr gut aufgestellt. Die Anleiherenditen sind auf einem auskömmlichen Niveau. Mit der Erwartung einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung sind die Aussichten für Aktien weiterhin gut – in den USA und in Europa. Also kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Newsletter vom 04. Februar 2026
Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS
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