Gewöhnungseffekt trotz Krisen – kommt jetzt ein Crash?

Christoph Geyer

Wenn ein Ereignis die Börse überrascht, werden zuweilen vorschnelle Handlungen in die eine oder andere Richtung vorgenommen. Besonders negative Überraschungen finden so Einzug in die Kursfindung und lassen die Börsen auch immer mal wieder in einem Crash enden. Solche besonderen Phasen finden sich meist in den Herbstmonaten, was in der Gesamtstatistik bei den Saisonalitäten entsprechende Spuren hinterlässt.

Dabei ist der September oft ein Monat in dem die Marktteilnehmer von einer solchen Bewegung überrascht werden. Natürlich entstehen Crashs immer aus dem viel zitierten „heiteren Himmel“ heraus. Daher kann man auf keinen Fall einen Crash vorhersagen, auch wenn es gewisse Ansätze gibt, die zumindest für Unsicherheit bei den Marktteilnehmern sorgen.

Die aktuelle Lage lässt viel Spielraum für Aussagen in alle Richtungen zu. Die eine Seite hält es mit den Bullen, die auf jeden Fall weitere Anstiege prognostizieren, sobald sich die Lage im Nahen Osten entspannt. Die andere Seite, die es mit den Bären hält, sieht die Gefahren und Eskalationsmöglichkeiten, auch in der Ukraine, als Vorboten für einen Börsencrash.

Die Marktteilnehmer haben sich aber derzeit offenbar an die Krisen und immer wieder wechselnden Aussagen der handelnden Parteien gewöhnt und so zuletzt den DAX auf neue Rekordhochs getrieben. Sicher ist es kein Geheimnis, dass bei solchen, doch recht steilen Anstiegsbewegungen auch immer wieder Korrekturen stattfinden müssen. Dies ist nicht nur Technischen Analysen bekannt, sondern jedem, der an der Börse tätig ist.

Muss es deshalb aber gleich ein Crash sein? In solchen Phasen haben natürlich die Crash-Propheten wieder Hochkonjunktur. Selbstverständlich können auch diese einen Crash nicht vorhersagen. Es erzeugt aber Aufmerksamkeit, wenn man möglichst laut und möglichst extrem seine Meinung in die Welt setzt.
Fakt ist aber auch, dass der DAX seit März dieses Jahres bereits über 4.500 Punkte oder gut 20 Prozent gewonnen hat. Auch wenn zwischenzeitlich immer wieder Korrekturen stattgefunden haben, die für den Trend gut waren, wäre es nicht verwunderlich, wenn nun wieder eine solche anstehen würde.
Wenn der DAX also nun eine normale technische Korrektur an die Ausbruchszone vollziehen würde (diese stellt übrigens eine zuvor generierte Widerstandszone dar) und diese recht schnell erfolgen würde, dürften sicher wieder einige von Crash sprechen.

Die seriösere Variante wäre aber sicher die Aussage über eine normale technische Reaktion. Wenn sich die Krisen plötzlich erledigen würden, was wünschenswert aber nicht zu erwarten ist, und der Markt noch einen kurzfristigen steilen Aufwärtsschub erfährt, nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur schnell zu.
Bleiben wir realistisch: Schon Isaac Newton sagte „Ich kann zwar die Bahn der Gestirne auf Zentimeter und Sekunde berechnen, aber nicht wohin eine verrückte Menge einen Börsenkurs treiben kann.“ So dürfte es sich auch mit den Crash-Propheten verhalten.

Newsletter vom 12. August 2026

Christoph Geyer – stellv. Regionalmanager
VTAD Frankfurt

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Quelle: ProRealTime.com