Iran-Krise treibt Energiepreise und Inflation

Offiziell gilt zwar noch die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran, allerdings hängt sie nach jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump nur noch am seidenen Faden. Zu groß sind offensichtlich die Meinungsunterschiede, und der Faktor Zeit wird immer mehr zum Belastungsfaktor. Vor allem für Trump, denn steigende Energiepreise heizen auch in den USA die Inflation an und die Midterm-Wahlen rücken immer näher. Jeder Tag ohne wirkliche Lösung des Konflikts läuft zurzeit gegen den Präsidenten. Seine Stimmungswerte sinken und es wird immer schwieriger für ihn, als Sieger aus den Zwischenwahlen hervorzugehen, um nicht als „Lame Duck“ den Rest seiner Amtsperiode erleben zu müssen.

Das Inflationsgespenst bestimmt längst das Tagesgeschehen, und zwar weltweit. Die US-Verbraucherpreise lagen im April bei +3,8 Prozent zum Vorjahresmonat und +0,6 Prozent zum Monat März. Seit 62 aufeinander folgenden Monaten ist die Zielmarke von 2 Prozent überschritten und die Schwelle von 4 Prozent rückt in greifbare Nähe. Ein Überspringen wäre keine Überraschung, da sich höhere Energiepreise oft erst mit zeitlicher Verzögerung entlang der Wertschöpfungskette bis hin zum Endverbraucher durchsetzen. Selbst schnell sinkende Rohölpreise würden daher nicht automatisch zu zeitnah sinkenden Verbraucherpreisen führen.
Die Notenbanken sind gewarnt, von Zinssenkungen kann hüben wie drüben auf absehbare Zeit keine Rede sein. EZB-Direktorin Isabel Schnabel warnte unlängst vor den Risiken steigender Preise und stimmt das Publikum für diesen Fall auf Zinserhöhungen der EZB ein.

Eine große Herausforderung auch für den neuen FED-Chef Kevin Warsh. Der Wunschkandidat von Donald Trump könnte genötigt sein, anstelle einer vom Präsidenten geforderten Zinssenkung, über eine Zinsanhebung entscheiden zu müssen.

Erstaunlich stabil zeigen sich vor diesem Hintergrund noch die von Speicher- und KI-Werten hoch gelaufenen Aktienmärkte, denn steigende Zinsen sind bekanntlich Gift für die weitere Kursentwicklung. Der Anleihenmarkt hat bereits mit steigenden Renditen reagiert.

Ihr Martin Braun, Börse Hannover

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Newsletter vom 13. Mai 2026

Martin Braun, Börse Hannover