Nachrichtenmüde?

Joachim Brandmaier

Immer mehr Menschen haben keine Lust mehr auf schlimme Nachrichten. Es gibt sogar einen Fachbegriff dafür, dass in Krisenzeiten viele Menschen einen Bogen um aktuelle Nachrichten machen: „News Avoidance“, frei übersetzt: Nachrichtenmüdigkeit.

Wer kennt ihn nicht, den morgendlichen Griff zum Handy? Die einen schalten ihre Wecker-App aus, die anderen wollen noch vor dem Aufstehen wissen, was man in der Nacht alles weltpolitisch verpasst hat.

In diesen Tagen verzichten jedoch immer mehr Menschen auf ihren frühen Smartphone-Blick. Sie können die ganzen schlimmen Nachrichten einfach nicht mehr ab. Sie haben keine Lust mehr auf Kriegsmeldungen aus dem Nahen Osten, der Straße von Hormus oder der Ukraine, und auf explodierende Benzinpreise. Es gibt sogar einen Fachbegriff dafür, dass in Krisenzeiten viele Menschen einen Bogen um aktuelle Nachrichten machen: „News Avoidance“, frei übersetzt: Nachrichtenmüdigkeit.

Als alter Hase im Börsengeschäft muss ich feststellen: Diese sogenannte „News Avoidance“ ist gar nicht so schlecht, denn sie kann vor Fehlentscheidungen bewahren! Studien belegen nämlich, dass der Mensch fünfmal stärker auf negative Impulse reagiert als auf neutrale oder positive Nachrichten. Das sei evolutionsbedingt! Schuld ist unser Steinzeitgehirn. Damals war es einfach überlebenswichtig, Gefahren sofort zu erkennen und darauf zu reagieren – während verpasste Chancen zwar ärgerlich waren, aber halt doch nicht ganz so dramatisch, wie vom Säbelzahntiger aufgefressen zu werden.

Für unsere Vorfahren wäre es also fatal gewesen, die Augen vor Gefahren und schlimmen Nachrichten zu verschließen. Heute kostet es uns hier in Deutschland nicht immer gleich das Leben, wenn wir eine Nachricht verpassen – trotzdem ist es natürlich wichtig, zu wissen, was in der Welt passiert. Die Dosis ist aber entscheidend! Uns langfristig ausgerichteten Börsianern sollte bewusst sein, welche Auswirkungen die allgegenwärtige mediale Überflutung mit reißerischen Schlagzeilen hat: viele Impulse, viel Handel! Wenig Impulse, wenig Handel! Wer sich ständig negativen Impulsen aussetzt, läuft Gefahr, öfter falsch zu entscheiden.

Kurzum: Für den langfristigen Börsenerfolg kann es hilfreich sein, in Krisenzeiten den Fernseher auszumachen, das Smartphone in der Tasche zu lassen und sich in der Tageszeitung lieber auf den Sportteil zu konzentrieren. In diesem Sinne: Handy aus, Rendite rauf!

Newsletter vom 22. April 2026

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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