Robuste Konjunktur und Inflationsdruck

Carsten Mumm

Die konjunkturellen Perspektiven Deutschlands haben sich im Verlauf des Sommers überraschend aufgehellt. Neben dem erwarteten Wachstumsbeitrag durch staatliche Ausgaben ist insbesondere die Industrieproduktion, getrieben durch höhere Exporte der energieintensiven Industrie, angesprungen. Viele Wettbewerber aus der Golfregion und aus Asien hatten teils noch größere Probleme aufgrund unterbrochener Lieferketten und folglich fehlender Vorleistungen sowie Rohstoffe.

Die Wachstumsprognose der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute (Gemeinschaftsdiagnose) für das laufende Jahr wurde daher um 0,7 Prozentpunkte auf 1,3 Prozent angehoben. Im nächsten Jahr wird demzufolge mit einem Wachstum von 1,1 Prozent gerechnet, ebenfalls etwas mehr als noch im Frühjahr. Der leicht verbesserte ifo-Geschäftsklimaindex spiegelte dementsprechend verbesserte Erwartungen an die künftige Geschäftstätigkeit vieler Unternehmen wider. Allerdings sorgen anhaltend hohe Energiepreise für zunehmenden Inflationsdruck. So dürfte die Preisniveausteigerung von 2,8 Prozent in diesem auf 3,2 Prozent im Jahr 2027 steigen. Wie die von S&P Global erhobenen Einkaufsmanagerindizes in der letzten Woche zeigten, besteht auch global eine hohe Wachstums- und Inflationsdynamik.

Vor diesem Hintergrund rücken der zur Veröffentlichung anstehende ISM Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in den USA sowie der US-Arbeitsmarktbericht für September in den Fokus. Sollte sich das Bild einer gut ausgelasteten Wirtschaft bestätigen, könnten die Renditen von Staatsanleihen bei längeren Laufzeiten weiter ansteigen. Denn zusätzliche Leitzinsanhebungen durch die US-Notenbank Fed im Oktober und ggf. im Dezember wären wahrscheinlicher. Für die Europäische Zentralbank (EZB) sind die Septemberinflationsdaten relevant. Erwartet wird ein energiepreisbedingter weiterer Anstieg der Teuerung auf 3,7 Prozent und damit die nachträgliche Rechtfertigung der letzten Leitzinsanhebung. Weitere könnten je nach Verlauf des Irankonflikts folgen.

Die Aktienmärkte bewegen sich damit auch künftig im Spannungsfeld zwischen guten Wachstumsaussichten, unter anderem getrieben durch Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI), sowie der Hoffnung auf künftige Produktivitätsgewinne durch den Einsatz der Technologie und steigenden Zinsen. Für größere Aufwärtsimpulse bedarf es eindeutiger Fortschritte zur Auflösung des Konflikts im Nahen Osten und damit Entlastungen vonseiten der Inflation bzw. durch sinkende Zinsen.

Newsletter vom 30. September 2026

Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

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