US-Staatsschulden: Märkte werden skeptischer

Die hohe staatliche Staatsverschuldung der USA rückt zunehmend in den Fokus der Kapitalmärkte. Zwar wird die Schuldendynamik aktuell noch durch ein nominales Wirtschaftswachstum gestützt, das über den durchschnittlichen Finanzierungskosten des Staates liegt. Doch mit ansteigenden Renditen steigt der Druck auf die US-Regierung, ihre Ausgaben unter Kontrolle zu bekommen. Dies gilt vor allem, weil jüngste Anstiege der US-Renditen auf eine mögliche Neubewertung von US-Staatsanleihen hindeuten.
Die hohe Schuldenquote von 123 Prozent des BIP gerät zunehmend in den Fokus von Investoren und Ratingagenturen. Gleichzeitig sind die US-Renditen deutlich gestiegen, wodurch sich die Finanzierungskosten des Staates spürbar erhöht haben.
Grundsätzlich ist die Schuldenquote eines Staates dann stabil, wenn das nominale Wirtschaftswachstum über dem effektiven Zinssatz der Staatsschulden liegt. Andernfalls muss der Staat durch einen Primärüberschuss gegensteuern und Staatsausgaben ohne Zinszahlungen müssen geringer ausfallen als die Einnahmen. Ansonsten wird sich der Anstieg der Schuldenquote verselbstständigen. Historisch haben sich die USA jedoch schwergetan, solch einen Überschuss zu erzielen.
Stattdessen konnte eine robuste US-Wachstumsdynamik den Anstieg der Schuldenquote dämpfen. Seit 2021 hat sich allerdings die effektive Zinsbelastung des US-Staates nahezu verdoppelt. Gleichzeitig ist das langfristige Potenzialwachstum der USA gesunken. Damit schrumpft der Puffer zwischen Wachstum und Zinsen und es erhöht sich die Gefahr einer weiter ansteigenden Schuldenquote.
Die aktuell steigenden US-Renditen werfen die Frage auf, ob die Märkte inzwischen eine Risikoprämie auf US-Staatsanleihen fordern. Nach Schätzungen der IKB liegen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries inzwischen deutlich über ihrem fundamental erklärbaren Niveau. Die Abweichungen haben seit Beginn der zweiten Trump-Präsidentschaft und den Kommentaren über die Fed-Unabhängigkeit zugenommen und sich am aktuellen Rand nochmals verschärft. Neben Inflationssorgen könnte nun auch die langfristige fiskalische Stabilität der USA eine Rolle spielen.
2027 dürfte eine rückläufige Inflation sowie erwartete Zinssenkungen der Fed für Entlastung sorgen. Mittel- bis langfristig bleibt jedoch entscheidend, den Wachstumsausblick zu verbessern und das Haushaltsdefizit einzudämmen. Andernfalls dürfte die Diskussion über die Bonität der USA an Intensität gewinnen. Der Kapitalmarkt scheint bereits jetzt eine klare Botschaft zu senden.

Newsletter vom 16. September 2026
Dr. Klaus Bauknecht – Chefvolkswirt
IKB Deutsche Industriebank AG
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