Volatile Märkte zwischen Eskalation und Euphorie

Eine besondere Herausforderung in diesen Tagen ist es, das Marktgeschehen in Worte zu fassen und nur eine kurzfristige Prognose zu wagen, denn die hat oft nur eine Halbwertszeit von Stunden. Außer Spesen nichts gewesen – so könnte man das Ergebnis der mit Spannung erwarteten Gespräche zwischen Iran und USA am Wochenende auf den Punkt bringen. Der 10-Punkte Plan der USA schmeckte dem Iran ganz offensichtlich nicht. Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er aus der Not keine Tugend machen würde. In Konkurrenz zum Iran soll jetzt die Straße von Hormus durch die USA blockiert werden, um über gute und böse Schiffe selbst zu entscheiden und ggf. Wegezoll zu kassieren.
Das Scheitern der Gespräche ließ die Ölpreise prompt um rund 8 Prozent auf wieder mehr als 100 Dollar springen, die Aktienmärkte reagierten am Montag anfangs mit Abschlägen, konnten sich dann aber schnell wieder erholen und der Ölpreis pendelt aktuell bei 91 (WTI) bzw. 95 (Brent) Dollar. Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran laufen angeblich weiter und ständig werden Pseudo-Ergebnisse kolportiert, welche die Märkte in die eine oder andere Richtung treiben. Die Waffenpause am Golf scheint stabil zu sein und folglich schöpfen die Märkte mal wieder Hoffnung.
Nach offenem, medialem Schlagabtausch trafen sich am vergangenen Wochenende auch die Koalitionäre der deutschen Bundesregierung, um ihre restlichen Gemeinsamkeiten zu eruieren. Heraus kam ein nettes Maßnahmenpäckchen, bestehend aus einer temporären Energiesteuersenkung von 17 Cent pro Liter für 2 Monate und – wie großzügig – die Möglichkeit einer arbeitgeberfinanzierten steuer- und abgabenfreien Entlastungsprämie in Höhe von 1.000 Euro. Die Begeisterung von Unternehmen und deren Verbänden hält sich in Grenzen.
Keine Antwort lieferten die Koalitionsspitzen auf die Frage, wie die Unternehmen und Verbraucher dauerhaft entlastet werden könnten und was noch wichtiger wäre: Ist die Versorgung mit Primärenergie in Form von Öl und Gas dauerhaft gesichert? In angrenzenden Ländern wie Tschechien kam es bereits zu Lieferengpässen. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm mahnt zu Reformen, anstatt sich mit fragwürdigen Einzelaktionen von Krise zu Krise zu hangeln.
Ein vorzügliches Statement zur Benzinpreisdebatte liefert auch Dr. Christoph Bruns von der LOYS AG in seiner aktuellen Kolumne.
Der DAX zeigt sich heute etwas freundlicher oberhalb der Marke von 24.000. Fahren Sie bei Ihren Investments weiter auf Sicht bei ausreichender Liquidität.

Ihr Martin Braun, Börse Hannover

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Newsletter vom 15. April 2026

Martin Braun, Börse Hannover