Warten auf Bestätigung
Dass an der Börse die Erwartungen gehandelt werden, ist eine gängige Floskel, in der natürlich auch eine gute Portion Wahrheit steckt. Erwartungen allein taugen aber wenig als Fundament für eine abgewogene Investment-Entscheidung – deshalb braucht es Zahlen, Daten und Fakten zur Untermauerung. Diese Spurensuche gestaltet sich schwierig.
Die gestrige Nachricht des ZEW über kräftig gestiegene Konjunkturerwartungen gibt Hoffnung. Der Wert von 26,3 Punkten rangiert zwar nur im Mittelfeld der letzten zwei Jahre, aber vom Tiefpunkt im April (-17,2) hat sich der Indikator kontinuierlich erholt. „Das Reformpaket scheint Wirkung zu zeigen. Insbesondere die exportorientierten Sektoren, sowie die Binnennachfrage verzeichnen stabile Zuwächse“, kommentieren die Wirtschaftsforscher vorsichtig optimistisch. Die Kollegen vom ifo Institut könnten den Trend am Montag bestätigen, verweisen aktuell aber ebenfalls auf große Unsicherheiten, spürbar etwa bei Investitionshemmungen durch die US-Zollpolitik.
Auch die militärische Seite der Trump’schen US-Außenpolitik macht Börsianern weiter das Leben schwer. Ein schneller Indikator für die Kriegs- bzw. Friedensstimmung am Golf ist der Ölpreis: Für die Nordseesorte Brent müssen aktuell wieder knapp 95 USD bezahlt werden – vor drei Wochen waren es gut 30 Prozent weniger. Die mit KI-Erwartungen aufgeladenen US-Techwerte lassen sich bei Veröffentlichung der Quartalszahlen ein wenig in die Karten schauen. Heute nach US-Börsenschluss dürften alle Augen auf Alphabet gerichtet sein, aber auch Tesla und IBM berichten. Donnerstag folgen Intel und SAP – nächste Woche dann Microsoft und Meta sowie Apple und Amazon.
Der DAX zeigt derzeit Optimismus mit Werten über 25.000 Punkten. Das ist seit gestern wieder der Fall, aber für einen neuen Aufwärtstrend müssten noch die Marken bei 25.300 und 25.400 souverän genommen werden. Diese Bestätigung steht noch aus.


Newsletter vom 22. Juli 2026
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf
